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Oct

Aussiedlerhof kaufen: Alleinlage, Außenbereich, Zufahrt und Versorgung prüfen

Wer einen Aussiedlerhof kaufen möchte, sollte nicht nur Gebäude, Grundstück und Aussicht beurteilen. Entscheidend ist, ob die vorhandene Wohn- und Gebäudenutzung rechtlich nachvollziehbar ist, die Zufahrt dauerhaft gesichert bleibt und Wasser, Abwasser, Strom, Heizung sowie Internet am konkreten Anwesen zuverlässig funktionieren. Gerade in Alleinlage können kleine Unklarheiten später große Auswirkungen auf Nutzung, Kosten und Alltag haben.

Der Begriff Aussiedlerhof beschreibt vor allem die Lage und Entstehung einer Hofstelle, ist aber kein Versprechen für uneingeschränkte Wohn-, Umbau- oder Tierhaltungsmöglichkeiten. Deshalb sollte vor dem Kauf nicht nur geprüft werden, was heute vorhanden ist, sondern auch, was genehmigt, rechtlich gesichert und technisch belastbar ist.

 

Das Wichtigste in Kürze

  1. Ein Aussiedlerhof liegt häufig außerhalb einer geschlossenen Ortslage, aber nicht jeder Hof befindet sich rechtlich im deutschen Außenbereich.
  2. Die bestehende Wohnnutzung und jedes relevante Nebengebäude sollten sich anhand der Bauakte und vorhandener Genehmigungen nachvollziehen lassen.
  3. Eine sichtbare Zufahrt genügt nicht: Eigentum, Wegerecht, zulässige Nutzung, Unterhaltung und Winterdienst müssen geklärt sein.
  4. Bei privaten Brunnen, Kleinkläranlagen oder Sammelgruben zählen Genehmigung, Zustand, Kapazität und laufender Aufwand.
  5. Leitungen über fremde Grundstücke sollten nicht nur geduldet, sondern rechtlich gesichert sein.
  6. Die Versorgung muss gebäudegenau geprüft werden. Ein Anschluss am Wohnhaus versorgt nicht automatisch Stall, Scheune oder Werkstatt.
  7. Alleinlage verändert den Alltag: Lieferverkehr, Rettungswege, Schneeräumung, Mobilfunk und Fahrzeiten gewinnen an Bedeutung.
  8. Geplante Umbauten, Nutzungsänderungen oder zusätzliche Wohnungen sollten vor dem Kauf mit der zuständigen Behörde geklärt werden.

 

Was einen Aussiedlerhof von anderen Hofstellen unterscheidet

Aussiedlerhöfe entstanden häufig dadurch, dass landwirtschaftliche Betriebe aus engen Ortslagen an einen neuen Standort außerhalb des Dorfes verlegt wurden. Typisch sind ein freistehender Gebäudeverbund, landwirtschaftlich geprägte Nebengebäude, eine längere Zufahrt und Flächen unmittelbar an der Hofstelle. Ob der Betrieb heute noch aktiv ist, lässt sich aus der Bezeichnung jedoch nicht ableiten.

Auch eine schöne Alleinlage sagt nichts darüber aus, ob das Wohnhaus rechtmäßig als Wohnraum genutzt werden darf, ob eine frühere Stallung umgebaut werden kann oder ob die Zufahrt für alle gewünschten Nutzungen gesichert ist. Wer die Begriffe zunächst einordnen möchte, findet im Beitrag Resthof und Aussiedlerhof unterscheiden eine ausführliche Gegenüberstellung.

 

Vier Prüfebenen entscheiden über die Alltagstauglichkeit

Prüfebene Zentrale Frage Geeignete Nachweise
Lage und Nutzung Welche Nutzung ist für welche Gebäude rechtmäßig genehmigt? Bauakte, Genehmigungen, Bestandspläne, behördliche Auskunft
Zufahrt und Rechte Ist das Anwesen jederzeit und für die benötigten Fahrzeuge erreichbar? Flurkarte, Grundbuch, Dienstbarkeiten, Straßen- und Wegeauskunft
Technische Versorgung Wie werden Wohnhaus und Nebengebäude tatsächlich versorgt und entsorgt? Pläne, Verträge, Prüfberichte, Rechnungen, Vor-Ort-Test
Alltag und Folgekosten Welche Aufgaben und Reserven entstehen durch die abgelegene Lage? Verbrauchswerte, Wartungsnachweise, Angebote, eigene Fahrzeitentests

 

Alleinlage nicht nur nach dem ersten Eindruck beurteilen

Eine freie Lage kann Ruhe, Privatsphäre und viel Raum bieten. Gleichzeitig entstehen größere Entfernungen und mehr Eigenverantwortung. Für eine belastbare Einschätzung empfiehlt es sich, das Anwesen zu verschiedenen Tageszeiten und möglichst auch bei ungünstigem Wetter zu besuchen. Eine trockene Zufahrt im Sommer kann sich bei Starkregen, Schnee oder Tauwetter ganz anders verhalten.

 

Auf den ersten Blick attraktiv Vor dem Kauf zusätzlich prüfen
Lange private Zufahrt Eigentum, Wegerecht, Breite, Tragfähigkeit, Unterhaltung und Schneeräumung
Keine direkten Nachbarn Landwirtschaftliche Betriebe, Windrichtung, saisonale Arbeiten, Jagd und Verkehrswege im Umfeld
Weite Entfernung zum Ort Fahrzeiten zu Arbeit, Schule, Einkauf, medizinischer Versorgung und öffentlichem Verkehr
Ungestörter Blick über Felder Eigentumsverhältnisse, Pachtflächen sowie bekannte Planungen im Umfeld
Viel Platz für Fahrzeuge oder Tiere Zulässige Nutzung, befestigte Flächen, Entwässerung und Erreichbarkeit für Liefer- oder Rettungsfahrzeuge

Zur Einordnung der alltäglichen Unterschiede zwischen abgelegenen und ortsnahen Standorten hilft außerdem der Beitrag Landimmobilie kaufen: Alleinlage oder Ortsrandlage.

 

Außenbereich: Bestand und Zukunft getrennt prüfen

In Deutschland liegen viele Aussiedlerhöfe im Außenbereich im Sinne des § 35 Baugesetzbuch. Dort gelten andere Voraussetzungen als innerhalb eines Bebauungsplans oder eines zusammenhängend bebauten Ortsteils. Eine ausreichende Erschließung ist nur eine von mehreren Voraussetzungen. Dass ein Gebäude vorhanden ist und seit Jahren genutzt wird, ersetzt keinen Nachweis über seine genehmigte Nutzung.

Für Käufer sind zwei Fragen getrennt zu beantworten: Ist der heutige Bestand rechtmäßig, und ist das eigene Vorhaben zulässig? Eine genehmigte Wohnung bleibt nicht automatisch erweiterbar. Eine landwirtschaftlich errichtete Scheune darf nicht allein wegen ihrer Größe als Wohnraum, Büro, Ferienunterkunft oder Werkstatt genutzt werden. Ebenso macht ein großes Grundstück eine private Nutzung nicht automatisch zu einem privilegierten landwirtschaftlichen Vorhaben.

 

Welche Unterlagen in Deutschland wichtig sind

  1. vollständige Bauakte mit Baugenehmigungen und genehmigten Plänen
  2. Nachweise über spätere An-, Um- und Ausbauten
  3. Unterlagen zur genehmigten Nutzung von Wohnhaus, Stall, Scheune, Halle und weiteren Gebäuden
  4. Auskunft zu Baulasten, Denkmalschutz, Altlasten, Natur- und Hochwasserschutz
  5. Grundbuchauszug und Flurkarte für Wege, Leitungen und Grundstücksgrenzen
  6. schriftliche Klärung des eigenen Vorhabens, wenn Umbauten oder Nutzungsänderungen kaufentscheidend sind

Fehlen alte Unterlagen, ist das nicht automatisch ein Ausschlussgrund. Die Lücke sollte jedoch vor dem Kauf gemeinsam mit Bauamt und fachlicher Beratung geklärt werden. Mündliche Aussagen wie „Das wurde schon immer so genutzt“ schaffen allein keine ausreichende Sicherheit.

 

Österreich und Schweiz verwenden andere rechtliche Einordnungen

Der deutsche Begriff Außenbereich lässt sich nicht unverändert auf Österreich und die Schweiz übertragen. In Österreich richten sich Widmung, Bebauung und Nutzung nach den Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen sowie den Bau- und Raumordnungsvorschriften des jeweiligen Bundeslandes. Bei land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücken können zusätzlich grundverkehrsrechtliche Genehmigungen erforderlich sein. In der Schweiz ist besonders die Unterscheidung zwischen Bauzone und Gebiet außerhalb der Bauzone wichtig; für bestehende Gebäude und Veränderungen gelten dort strenge bundes- und kantonalrechtliche Voraussetzungen.

 

Land Wichtige Einordnung Vor dem Kauf klären
Deutschland Außenbereich nach § 35 BauGB oder andere planungsrechtliche Lage Rechtmäßiger Bestand, genehmigte Nutzung, Erschließung und Zulässigkeit eigener Vorhaben
Österreich Flächenwidmungsplan, Bebauungsplan und Landesrecht Widmung, Benützungs- und Baubewilligungen, Aufschließung sowie möglicher Grundverkehr
Schweiz Bauzone oder Gebiet außerhalb der Bauzone Rechtmäßigkeit des Bestands, bewilligte Nutzung sowie Zustimmung der zuständigen kantonalen Behörde bei Veränderungen

In allen drei Ländern sollte die zuständige Gemeinde beziehungsweise Bau- oder Raumplanungsbehörde am konkreten Standort einbezogen werden. Die Bezeichnung im Exposé ersetzt keine amtliche Einordnung.

 

Zufahrt: sichtbar ist nicht automatisch gesichert

Die Zufahrt eines Aussiedlerhofs kann über ein eigenes Flurstück, einen öffentlichen Weg, einen gemeinschaftlich genutzten Privatweg oder ein fremdes Grundstück führen. Für den Alltag reicht es nicht, dass der Weg bei der Besichtigung befahrbar ist. Entscheidend ist, ob die Nutzung rechtlich dauerhaft gesichert und praktisch ausreichend ist.

Diese Fragen gehören zur Prüfung

  1. Wer ist Eigentümer der gesamten Zufahrt vom öffentlichen Straßennetz bis zum Hof?
  2. Ist ein Geh- und Fahrrecht im Grundbuch gesichert oder beruht die Nutzung nur auf einer persönlichen Duldung?
  3. Welche Fahrzeuge und Nutzungen umfasst das Recht: Pkw, landwirtschaftliche Maschinen, Lieferverkehr, Tiertransporte oder gewerblichen Verkehr?
  4. Wer trägt Kosten für Unterhaltung, Entwässerung, Instandsetzung und Winterdienst?
  5. Sind Breite, Kurven, Steigung, Durchfahrtshöhe und Tragfähigkeit für Feuerwehr, Heizöllieferung, Müllabfuhr und Bauarbeiten ausreichend?
  6. Gibt es Tore, Schranken, Brücken, Durchlässe oder saisonale Einschränkungen?
  7. Kann auf dem Grundstück gewendet werden, ohne fremde Flächen zu nutzen?
Hinweis Mögliches Risiko Sinnvoller Nachweis
Der Weg verläuft über ein Nachbargrundstück Nur geduldete oder zu eng gefasste Nutzung Grundbuch und vollständige Bewilligungsurkunde der Dienstbarkeit
Mehrere Parteien nutzen die Zufahrt Unklare Kosten- und Räumpflichten Vereinbarung zu Unterhaltung und Kostenteilung
Schmaler oder unbefestigter Weg Probleme für schwere Fahrzeuge und bei schlechtem Wetter Vor-Ort-Prüfung, Maße, Tragfähigkeit und Auskunft der benötigten Dienstleister
Öffentlicher Weg endet vor dem Hof Letzter Abschnitt möglicherweise nicht gesichert Flurkarte, Kataster und Grundbuch

 

Wasser und Abwasser belastbar beurteilen

Öffentliche Wasserversorgung oder eigener Brunnen

Ein öffentlicher Wasseranschluss ist vergleichsweise leicht einzuordnen, dennoch sollten Leitungsverlauf, Druck, Rohrmaterial, Frostschutz und die Versorgung der Nebengebäude geprüft werden. Bei einem eigenen Brunnen kommen weitere Fragen hinzu: Ist die Entnahme zulässig, wem gehört die Anlage, wie ergiebig ist sie in trockenen Perioden und entspricht die Wasserqualität der geplanten Nutzung?

Eine einzelne Laborprobe ist nur eine Momentaufnahme. Sinnvoll sind vorhandene Untersuchungsreihen, Angaben zu Tiefe und Bauart des Brunnens, Pumpenalter, Speicher, Aufbereitung und tatsächlichem Verbrauch. Wer Tiere halten oder mehrere Wohneinheiten versorgen möchte, muss auch Spitzenbedarf und Ausfallvorsorge berücksichtigen.

Kanal, Kleinkläranlage oder Sammelgrube

Bei der Abwasserentsorgung sollte klar sein, welche Gebäude angeschlossen sind und ob die Anlage zur genehmigten Nutzung und Personenzahl passt. Bei einer Kleinkläranlage sind Genehmigung, Wartungsprotokolle, Ablaufwerte, Stromverbrauch und mögliche Nachrüstpflichten wichtig. Bei einer Sammelgrube zählen Dichtheit, Volumen, Entleerungsrhythmus und die Zufahrt für das Entsorgungsfahrzeug.

 

Strom, Heizung und Internet gebäudegenau erfassen

Ein Aussiedlerhof besteht oft aus mehreren Baukörpern, die über Jahrzehnte unterschiedlich erweitert wurden. Deshalb sollte die Versorgung nicht nur für das Gesamtanwesen, sondern für jedes Gebäude dokumentiert werden.

 

Gebäude oder Bereich Wasser Abwasser Strom Heizung und Daten
Wohnhaus Anschluss, Druck, Leitungszustand Anschlussart und Kapazität Hausanschluss, Zähler, Verteilung Wärmeerzeuger, Brennstoff, Internetanschluss
Stall Tränken, Frostschutz, Absperrung Entwässerung und zulässige Ableitung Licht, Steckdosen, Leistung Frostfreie Bereiche, Mobilfunk oder WLAN
Scheune oder Halle Vorhanden oder nicht erforderlich Dach- und Hofflächenentwässerung Unterverteilung, Drehstrom, Schutz Beheizbarkeit nur bei vorgesehener Nutzung prüfen
Außenflächen Zapfstellen und Leitungstiefe Versickerung, Gräben, Rückstau Außenbeleuchtung und Tore Funkabdeckung und mögliche Kabelwege

Bei der Stromversorgung sind verfügbare Anschlussleistung, Zustand der Haupt- und Unterverteilungen, Fehlerstromschutz, Erdung und Drehstromanschlüsse relevant. Für Heizung und Warmwasser zählen nicht nur Alter und Verbrauch, sondern auch Lagerung und Anlieferung des Brennstoffs, beheizte Gebäudeteile sowie getrennte Systeme in Nebengebäuden.

Internetangaben aus einer Verfügbarkeitskarte sollten am exakten Anschluss geprüft werden. Zusätzlich lohnt ein Test der Mobilfunknetze in Wohnhaus, Hof und Nebengebäuden. Funklösungen, Richtfunk oder Satelliteninternet können Alternativen sein, verursachen aber je nach Standort zusätzliche Technik- und Betriebskosten. Eine vertiefende Übersicht bietet der Beitrag Landimmobilie kaufen: Zufahrt, Wasser, Abwasser, Heizung und Internet prüfen.

 

Leitungen über fremde Grundstücke mitprüfen

Nicht nur die Zufahrt, auch Wasser-, Strom-, Abwasser- oder Telekommunikationsleitungen können über fremde Flächen verlaufen. Ein seit Jahrzehnten praktizierter Verlauf bedeutet nicht automatisch, dass Wartung, Erneuerung und Zutritt rechtlich gesichert sind. Vor dem Kauf sollte geklärt werden, wo die Leitungen liegen, wem sie gehören, wer Reparaturen bezahlt und welche Rechte im Grundbuch oder in anderen Vereinbarungen dokumentiert sind.

Gemeinsam genutzte Brunnen, Kläranlagen oder Heizsysteme verdienen besondere Aufmerksamkeit. Hier sollten Kapazität, Kostenverteilung, Zutritt, Haftung, Störungsbeseitigung und das Vorgehen bei einer späteren Trennung nachvollziehbar geregelt sein.

 

Unterlagen-Checkliste vor dem Notartermin

  1. aktueller Grundbuchauszug und Flur- beziehungsweise Katasterkarte
  2. Bauakte mit Genehmigungen, Bestandsplänen und Nutzungsangaben für alle Gebäude
  3. Nachweise zu Baulasten, Dienstbarkeiten sowie Wege- und Leitungsrechten
  4. Widmungs- und planungsrechtliche Auskunft für den konkreten Standort
  5. Genehmigungen und Wartungsunterlagen für Brunnen, Kleinkläranlage oder Sammelgrube
  6. Pläne zu Wasser-, Abwasser-, Strom-, Heizungs- und Datenleitungen
  7. Verbrauchsabrechnungen und Wartungsnachweise der vergangenen Jahre
  8. Unterlagen zu Heizöltanks, Flüssiggasanlagen, Schornsteinen und Feuerstätten
  9. Informationen zu Müllabfuhr, Winterdienst und Erreichbarkeit für Rettungsfahrzeuge
  10. schriftliche behördliche Einschätzung, wenn eine geplante Nutzungsänderung für den Kauf ausschlaggebend ist

 

Besichtigung und Prüfung sinnvoll aufteilen

Eine erste Besichtigung dient dem Gesamteindruck. Für die technische und rechtliche Prüfung reicht sie meist nicht aus. Sinnvoll ist ein zweiter Termin mit ausreichend Zeit, geöffneten Technikräumen und zugänglichen Nebengebäuden. Wasser sollte an mehreren Entnahmestellen getestet, die Zufahrt vollständig abgefahren und die Lage von Tanks, Schächten, Zählern und Leitungen gezeigt werden.

Bei älteren Anlagen können Fachleute für Gebäudesubstanz, Heizung, Elektroinstallation, Wasser und Abwasser erforderlich sein. Entscheidend ist nicht, jeden älteren Zustand sofort als Mangel zu bewerten. Wichtig ist, Zustand, Funktion, rechtliche Grundlage und absehbaren Investitionsbedarf realistisch voneinander zu trennen.

 

Vor Vertragsabschluss klären In die spätere Planung aufnehmen
Rechtmäßigkeit der Wohn- und Gebäudenutzung Komfortverbesserungen ohne Einfluss auf die Kaufentscheidung
Dauerhaft gesicherte Zufahrt und notwendige Leitungsrechte Gestaltung von Hof, Garten und Außenflächen
Funktionsfähige und genehmigte Wasser- und Abwasserlösung Schrittweise energetische Optimierung
Zulässigkeit eines kaufentscheidenden Umbau- oder Nutzungsvorhabens Zusätzliche Ausstattung von Werkstatt oder Stall
Finanzierbarer Investitionsbedarf bei wesentlichen Anlagen Ausbau von WLAN, Funk- oder Satellitenlösungen

 

Laufende Kosten und Reserven realistisch ansetzen

Alleinlage ist nicht grundsätzlich teurer, verschiebt aber häufig die Kosten. Eigene Wege, Pumpen, Klärtechnik, größere Dachflächen, mehrere Stromverteilungen oder dezentrale Heizungen müssen gewartet und später ersetzt werden. Hinzu kommen Fahrten, Winterdienst und möglicherweise längere Anfahrtswege für Handwerker oder Lieferanten.

Für die Kalkulation sollten normale Jahreskosten und seltene größere Ersatzinvestitionen getrennt erfasst werden. Verbrauchsabrechnungen zeigen den bisherigen Betrieb; sie sagen jedoch nur dann viel aus, wenn Personenzahl, beheizte Fläche und Nutzungsumfang vergleichbar sind. Eine breitere Einordnung bietet der Beitrag Laufende Kosten einer Landimmobilie realistisch einschätzen.

 

Wann ein Aussiedlerhof gut zum eigenen Vorhaben passt

Ein Aussiedlerhof kann sehr gut passen, wenn Ruhe, Fläche und Eigenständigkeit wichtiger sind als kurze Wege und standardisierte Versorgung. Voraussetzung ist, dass Käufer nicht nur die Atmosphäre mögen, sondern auch die Verantwortung für Wege, Anlagen und Nebengebäude übernehmen möchten. Besonders überzeugend ist ein Objekt, wenn genehmigter Bestand, Grundstücksrechte und technische Versorgung transparent dokumentiert sind und das eigene Nutzungskonzept dazu passt.

Aktuelle Angebote lassen sich auf der Seite Aussiedlerhof kaufen gezielt nach passenden Hofstellen durchsuchen.

 

Häufige Fragen zum Kauf eines Aussiedlerhofs

Liegt jeder Aussiedlerhof im Außenbereich?

Nein. Die Bezeichnung beschreibt Herkunft und Lage einer Hofstelle, nicht automatisch ihre heutige planungsrechtliche Einordnung. In Deutschland muss für das konkrete Grundstück geprüft werden, ob es im Außenbereich, im Geltungsbereich eines Bebauungsplans oder in einem im Zusammenhang bebauten Ortsteil liegt.

Darf ein bestehendes Wohnhaus auf dem Aussiedlerhof weiter bewohnt werden?

Eine rechtmäßig genehmigte Wohnnutzung ist eine wichtige Grundlage. Vor dem Kauf sollte dennoch geprüft werden, welche Gebäudeteile als Wohnraum genehmigt sind und ob tatsächlicher Bestand und Bauakte übereinstimmen. Erweiterungen oder zusätzliche Wohnungen sind getrennt zu beurteilen.

Kann eine Scheune später zu Wohnraum umgebaut werden?

Das hängt vom Standort, der genehmigten Ausgangsnutzung, dem Gebäude und dem jeweiligen Bau- und Planungsrecht ab. Gerade außerhalb regulärer Bauzonen sind Nutzungsänderungen häufig eingeschränkt. Ist der Umbau kaufentscheidend, sollte er vor Vertragsabschluss mit der zuständigen Behörde geklärt werden.

Reicht eine seit Jahrzehnten genutzte Zufahrt als Nachweis?

Nicht unbedingt. Eine tatsächliche Nutzung kann auf Eigentum, einem eingetragenen Recht, einer vertraglichen Regelung oder bloßer Duldung beruhen. Käufer sollten Grundbuch, Flurkarte und die zugrunde liegenden Urkunden prüfen lassen.

Was ist bei einem eigenen Brunnen besonders wichtig?

Zu prüfen sind Zulässigkeit, Eigentum, Ergiebigkeit, Wasserqualität, Pumpen- und Aufbereitungstechnik, Frostschutz sowie die Versorgung bei Strom- oder Pumpenausfall. Für Tierhaltung oder mehrere Wohneinheiten muss auch der Spitzenbedarf berücksichtigt werden.

Wie lässt sich die Internetversorgung zuverlässig feststellen?

Neben der adressgenauen Verfügbarkeitsabfrage sollte der Anschluss vor Ort nachvollzogen werden. Mobilfunk sollte mit verschiedenen Netzen in mehreren Gebäuden getestet werden. Bei alternativen Lösungen sind Installationsort, freie Sicht, Datenvolumen, Latenz und laufende Kosten relevant.

Welche Rolle spielen Wegerechte für Lieferanten und Rettungsfahrzeuge?

Das Recht muss zur tatsächlichen Nutzung passen. Eine schmale Formulierung kann für privaten Pkw-Verkehr ausreichen, aber bei gewerblicher Nutzung, Tierhaltung oder regelmäßigem Schwerverkehr Fragen aufwerfen. Zusätzlich zur rechtlichen Sicherung muss der Weg praktisch befahrbar sein.

Welche Prüfung sollte vor dem Kauf zuerst erfolgen?

Zuerst sollten kaufentscheidende Ausschlussfragen geklärt werden: rechtmäßige Wohnnutzung, gesicherte Zufahrt, funktionierende Ver- und Entsorgung sowie die grundsätzliche Zulässigkeit der geplanten Nutzung. Danach lässt sich der technische Investitionsbedarf sinnvoll beziffern.

 

Fazit

Beim Kauf eines Aussiedlerhofs gehören Alleinlage, Außenbereich, Zufahrt und Versorgung untrennbar zusammen. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob alles vorhanden ist, sondern ob Nutzung, Wege, Leitungen und Anlagen rechtlich gesichert, technisch funktionsfähig und für den eigenen Alltag ausreichend sind. Wer diese Punkte gebäudegenau prüft und kaufentscheidende Vorhaben vorab klärt, kann die besondere Lage eines Aussiedlerhofs mit deutlich besser kalkulierbaren Risiken genießen.