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Jul

Was Sie bei einer Fachwerksanierung beachten sollten

Ein altes Haus braucht eine sensible und ruhige Hand. Das Fachwerkhaus, das Bauernhaus oder der Bauernhof wird oft gekauft, da es zu einem günstigen Preis angeboten wird. Viele Besitzer denken, dass mit ein bisschen Dämmwolle der Energiepass ausgestellt wird und dass sie sich ein Schmuckstück zugelegt haben. Doch wenn es um die Kosten einer Sanierung geht, ist man sehr schnell an sogenannte Fachleute geraten, die den Zustand verschlimmern und die Kosten teilweise in die Höhe schnellen lassen, obwohl es gar nicht notwendig gewesen wäre.

Wenn Sie ein Besitzer vom Fachwerkhaus, vom Bauernhaus oder Bauernhof sind, sollten Sie sich sehr genau über die grundlegende Struktur eines Fachwerks informieren und sich einen wirklichen Experten dazuholen. Um zu erkennen, dass es sich um einen Fachmann auf dem Gebiet Fachwerkhaus oder Bauernhaus handelt, werden hier ein paar Punkte aufgeführt, woran Sie ihn können.

 

Sanierungsvorbereitung

In vielen Fällen wird eine wertvolle Substanz vom Fachwerkhaus regelrecht kaputt saniert. Als Sanierungsvorbereitung und Objektbegutachtung wird oftmals mit Pickel und Hammer losgegangen. Sobald der Fachwerkhaus-Experte beginnt mit diesen oder ähnlichen Werkzeugen die Substanz zu überprüfen, sollten Sie ihm Einhalt gebieten. Er wird höchstwahrscheinlich die Gefache derart zerstören, dass unweigerlich eine Erneuerung erfolgen muss, die wiederum mit den entsprechenden Kosten verbunden ist. Dabei kann auch eine angemessene Befunduntersuchung durchgeführt werden, die auf baugeschichtlichen Daten beruht. Es kann eine Analyse vom Fachwerkhaus oder Bauernhaus erfolgen, die wenige Eingriffe zulässt und somit für den Erhalt der Substanz wesentlich ist. Gleichzeitig ist selbst bei einem sehr historischen Gebäude eine sparsame Instandsetzung möglich - mit den richtigen Mitteln und der ebenso richtigen Beratung.

Wurde dem sogenannten Experten freie Hand gelassen, zeigt sich meist folgendes Bild. Das Fachwerk ist entkernt und die Gefache leer. Kommen jetzt die Handwerker zum Einsatz, sind oft Werkzeuge wie Vorschlaghammer oder Hydraulikpressen zu erkennen. Ein Fachwerkhaus jedoch hat Seele und braucht Luft zum Atmen. Es wird bei der Sanierung leider oft nicht daran gedacht, dass die geschehenen Verformungen sich mittlerweile auf alles ausgewirkt haben, was in dem Fachwerkhaus noch vorhanden ist. Das beginnt beim Boden, den Wänden, den Decken, den Türen und endet bei den Fenstern. Jede Schraube und jede Winde, die hier zum Einsatz kommt, macht das Fachwerkhaus krank.

 

Die Holzuntersuchung

Der schlecht gewählte Zimmermann wird in jedem Balken Sicherheitsrisiken erkennen und sehr teures Holz besorgen, welches jedoch mit viel zu viel Feuchtigkeit versehen ist. Muss ein Balken ausgetauscht werden, darf nur artgerechtes Holz verwendet werden, welches zudem alt und natürlich getrocknet ist. Doch der Fachmann als Zimmermann wird leider oft nicht mit Leidenschaft an die Untersuchung des Holzes gehen, sondern alles einsetzen, was ihm zur Verfügung steht. Wertvolle Apparate, wie einen Bohrwiderstandsmesser, müssen ja schließlich auch mal zum Einsatz kommen. Sie als Bauherr spüren vermutlich, dass hier enorme Kosten auf Sie zukommen und dass alles, was gesagt wird, nicht mal der halben Wahrheit entspricht. Typische Schwachstellen bei einem Fachwerkhaus oder Bauernhaus werden oftmals theatralisch ausgeschmückt. Damit wird bei Ihnen als Besitzer eine Angst eingejagt, die gar nicht notwendig ist. Die Struktur vom Fachwerkhaus hat viele Jahrhunderte gehalten und wird mit Sicherheit nicht in den nächsten Tagen zusammenbrechen. Natürlich sind Ausbesserungen in einer Sanierung notwendig, aber mit Sicherheit kein kompletter Austausch aller Holzelemente. Zudem geht damit der altertümliche Charme verloren. Splinthölzer sind mit wenigen Handgriffen ausgetauscht und selbst Risse im Balken können mit Kenner- und Könnerhand repariert werden. Selbst ein vorhandener Hausschwammbefall kann häufig mit anderen Mitteln bekämpft werden, als mit einem Austausch.

 

Fachwerkkunst der Neuzeit

Ein Fachwerkhaus, Bauernhaus oder ein Bauernhof aus dem 18. Jahrhundert ist denkmalschutzbedürftig. Die Balken des Sichtfachwerks werden bei Bedarf teilweise ausgewechselt und andere stilsicher repariert. Die Gefache, die meist mit einem Weidengeflecht versehen sind, werden mit einem wassersaugenden Putz versehen und können nach Belieben mit entsprechendem Anstrich versehen werden. Es ist immer darauf zu achten, dass alle verwendeten Materialien luftdurchlässig und wasseraufsaugend sind, denn genau diese Eigenschaften machen aus einem Fachwerkhaus ein Fachwerkhaus. Imitationen als Naturstein oder Acrylfugen sowie Lacke haben an einem Bauernhaus nichts zu suchen. Wird das Holz in seiner Lebendigkeit eingeschränkt, stirbt es hinter der Farbe und der Verfall ist dann wirklich nicht mehr aufzuhalten.

 

So geht Sanierung vom Fachwerkhaus richtig

Einem Fachwerkhaus kann man mit den beschriebenen Maßnahmen schneller schaden, als es zu sanieren. Auch die Bewohner werden einem enormen Gesundheitsrisiko ausgesetzt, denn die Entscheidung fiel ja schließlich auf ein altes Haus, da es eine natürliche Klimaanlage ist und ein ständiger Austausch von Luft und Feuchtigkeit vorgenommen wird.

Es gibt auf dem Markt giftfreie Holzschutzmittel, die gleich zwei Vorteile mit sich bringen. Zum einen wird die Entflammbarkeit minimiert und zum anderen wird das Holz gefestigt. Es kann immer noch atmen und die Eigenschaften vom Fachwerkhaus bleiben erhalten. Um Risse fachgerecht zu versorgen, hätten z. B. trockene Späne genutzt werden können. Durch den Feuchtigkeitsaustausch hätten sich diese ohne jegliche Mittel, wie Kleber, in diesem Riss eingeklemmt. Durch eine künstliche Klebefuge aus Acryl wird eine sogenannte Trocknungssperre erzeugt, die zum Wasserstau und zur Fäulnis führen kann. Werden zudem neue Gefache mit Materialien ausgefüllt, die wasserrückhaltend sind und gleichzeitig noch mit einer Versiegelung versorgt, wird damit eine Fäulnis und das Vermorschen der Balken in die Wege geleitet.

 

Gefacheoberfläche

Es ist eigentlich logisch, dass durch eine geminderte Regenwasseraufnahme dieses seinen Weg durch die Fugen zwischen Gefache und Holz sucht. Es kann ungehindert eindringen, jedoch nicht wieder nach außen transportiert werden. Ein wasserabweisender Anstrich für das Gefache kommt daher nicht infrage. Durch das Kondensat, welches täglich vorhanden ist, wird der Mörtel und auch der Anstrich spröde und es entstehen Kapillarrisse, die noch mehr Wasser aufnehmen und festhalten. Von einem falschen Experten wird einem das nicht gesagt.

Werden die falschen Materialien verwendet, ist der Handwerker sicher, dass laufende Sanierungsarbeiten auf ihn zukommen. Der Bauherr beziehungsweise der Besitzer vom Fachwerkhaus zahlt einfach nur. Besser er hätte gewusst, dass ein Luftkalkmörtel für die Gefache zur Anwendung kommen sollte. Das entspricht der Tradition und nimmt dem Fachwerkhaus oder Bauernhaus nicht die Möglichkeit des Austauschverlustes. Die Altanstriche am Fachwerkhaus bestehen meist aus Kunstharz. Um diese Anstriche zu entfernen, werden unglaubliche Techniken angewandt, die jedem Holzliebhaber die Tränen in die Augen treiben. Abbrennen beispielsweise, Abstrahlen, Abbeizen oder Abschleifen sind nur einige dieser Methoden. Dabei bietet der Markt mittlerweile gesundheitsschonende, umweltfreundliche und vor allem bauwerksfreundliche Entlacker an, die Kunstharz wie von Zauberhand "auflösen".

 

 

Anstrich der Fachwerkhölzer

Auf den Hölzern in und an einem Bauernhaus haben harzhaltige, trocknungsblockierende, wasserblockierende und schichtbildende Anstriche nichts zu suchen. Dadurch würde die Bewegung des Holzes eingeschränkt beziehungsweise können solche Anstriche den Bewegungen nicht folgen. Es entstehen Risse, die Wasser lagern und ein Paradies für Pilze und Insekten bieten. Besser wäre hier ein natürlicher Ölanstrich. Der ist außerdem besonders wartungsfreundlich, macht alle Bewegungen des Holzes mit und fördert zudem den Trocknungsprozess. Wenn es um das Thema Heizung geht, ist ebenfalls Obacht gegeben. Statt einer Konvektionsheizung, die oftmals von "Fachleuten" beziehungsweise "Experten" empfohlen wird, sollte lieber eine Hüllflächentemperierung erfolgen. Dadurch würden die Durchfeuchtung und der Wärmeverlust ausgeschlossen werden. Mit der falschen Heizanlage wird der Hauschwamm regelrecht in das Fachwerkhaus eingeladen.

 

Innere und äußere Dämmung

Nach den neuen gesetzlichen Vorschriften ist jeder Hausbesitzer verpflichtet seine vier Wände so zu dämmen, dass er einen Energieausweis bekommt. Bei einem Fachwerkhaus, Bauernhaus oder Bauernhof gestaltet sich das recht schwierig. Die Vorschriften beruhen auf Rechenbeispielen und Tabellen, aber nicht an dem Leben eines Fachwerkhauses. Es ist schlicht und ergreifend nicht möglich, dass ein altes Fachwerkhaus mit den modernen Materialien gedämmt werden kann. Dann würde all das eintreten, was oben beschrieben ist. So können beispielsweise überdichte Fenster zu Feuchtigkeitsstau führen. Damit dies nicht geschieht, werden dann für viel Geld Lüftungstechniken eingebaut, die gesundheitsschädlich sind und sogar Krankheiten wie Asthma oder Allergien auslösen. Es ist aber möglich, dass ein unter Denkmalschutz stehendes Fachwerkhaus von den Energieeinsparvorschriften freigesprochen werden kann, bzw. dass man sich von den Anforderungen der ENEV befreien läßt.

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